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Montag, 5. November 2012

Das Sauvage - Prähistorische Küche in Neukölln

Es gibt diese Orte, denen eine ganz besondere Energie inne wohnt - man fühlt sich an ihnen unmittelbar wohl und geborgen. Dies können ganze Städte sein, Plätze in der Natur, eine Parkbank, Wohnungen oder Häuser, Hotels oder auch Restaurants. In diesem Fall, handelt es sich natürlich um letzteres.

An einem kalten Abend bin ich vor ein paar Wochen durch die bereits dunklen Straßen von Berlin gestapft - viel zu leicht angezogen, da ich mich noch nicht richtig auf die völlig überraschende Kälte eingetstellt hatte. Ich war auf dem Weg in ein Restaurant und stellte mir schon bildlich vor, wie ich den ganzen Abend über frieren würde, da ich auch unter meiner Jacke nicht wirklich warm angezogen war und ich mir sicher war, dass sich auch das Restaurant noch nicht auf die Kälte eingestellt und entsprechend wenig geheizt haben würde. Meine Sorge sollte sich als völlig umsonst herausstellen.

Als ich das Sauvage in der Pflügerstraße in Berlin Neukölln (ja, Neukölln, dieser verrufene Stadtteil, der sich jedoch seit jüngster Zeit immer mehr zu einem hippen Hotspot in der Berliner Szene entwickelt) betrat, umgab mich augenblicklich eine wohlige Wärme, verfeinert mit einem zarten Duft von Räucherstäbchen. Der nicht allzu große Raum, das warme Licht zahlreicher Kerzen, die schlichten Holztische- und Stühle, die freundliche Kellnerin, die einen mit einem herzlichen Lächeln begrüßt, verleihen dem Restaurant eine ganz besondere Atmosphäre.

Aber das Sauvage hat nicht nur eine ganz besondere Atmosphäre. In der breit gefächerten Gastronomielandschaft Berlins ist das Restaurant nicht einfach eine weitere Lokalität, es ist eine Ausnahme und vielleicht sogar ein Vorreiter: Das Sauvage kocht als erstes Restaurant Berlins paläolithische Küche. Paläolithische Küche? Paläolithisch bedeutet so viel wie die Altsteinzeit betreffend und somit die älteste Epoche der Menschheitsgeschichte. Nun kommen einem bei der Beschreibung natürlich die wildesten Gedanken: Essen mit den Händen und vielleicht sogar ohne Teller, Tierfelle, rauer Steinboden und in meiner Vorstellung gab es sogar eine Feuerstelle in der Mitte des Raumes, um die man herum sitzen würde.

Nun habe ich mit meiner anfänglichen Beschreibung bereits vorweggenommen, dass es im Sauvage Tische und Stühle gibt. Aber auch ansonsten wird hier wie in einem normalen Restaurant gegessen. Denn paläolithische Küche bedeutet nicht, dass man isst wie damals in der Steinzeit, sondern, dass man isst was es zu dieser Zeit gab: "Die paläolithische Küche hat die Ernährungsgewohnheiten unserer prähistorischen Vorfahren als Ausgangspunkt, ohne jedoch genau nachahmen zu wollen, wie der prähistorische Mensch aß. Der moderne Paleo-Koch kombiniert die Evolutionswissenschaft mit dem Wissen aus gegenwärtiger Kochkunst und den Kochmethoden unserer Vorfahren", wird auf der Webseite des Restaurants beschrieben. Aber was genau bedeutet das?

Bei der Paleo Cuisine, wie die Küche auch genannte wird, werden ausschließlich biologische und unverarbeitete Lebensmittel verwendet: Das sind in erster Linie Fisch, Fleisch, Gemüse, Nüsse, Getreide und Samen. Weiter verarbeitete Lebensmittel wie Getreide, Speisestärke, Milchprodukte oder Zucker kommen nicht auf den Tisch. Das Besondere dabei ist, dass die Vermeidung dieser Lebensmittel eine maßgebliche Auswirkungen auf Körper und Gesundheit hat, die Boris und Rodrigo, die Inhaber des Sauvage, selbst erfahren haben. Boris war auf der Suche nach einer gesunden Ernährung, die eine heilsame Wirkung auf den Körper hat, als er zufällig auf die paläolithische Ernährung stoß. Nach nur 3 Wochen mit dieser ursprünglichen Ernährungsform konnte er sich von Asthma befreien, fühlte sich kraftvoller und bemerkte eine reinere Haut. Nach nunmehr 3 Jahren konnte er außerdem eine maßgebliche Stärkung seines Immunsystems beobachten - eine Bronchitis, die ihn zuvor regelmäßig plagte, hat sich komplett aufgelöst. Nun aber zurück zur paläolithischen Küche und deren Gerichte.

Die paläolithischen Gerichte auf der Speisekarte des Sauvage werden regelmäßig geändert und passen sich saisonale Produkten an. Als ich vor ein paar Wochen dort war, stand als Vorspeise unter anderem "The Hunter Gatherer Plate", sozusagen ein Steinzeit-Antipasti, mit verschiedenen Kräuterpestos, Chutneys, getreidefreien Cracker und Brot sowie täglich wechselnden Specials auf der Karte. Als Hauptspeise konnte man zum Beispiel zwischen Filet Mignon (100% Weiderind) vom Grill an gerösteten Schalotten, gedünstetem Wirsing, Wildkräutersalat und essbaren Blüten, geröstetem Fasan mit hausgemachter Knochenbrühe, Rosmarin-Pflaumen und schwarzem Möhrensalat in Zitrus-Lavendel-Öl und Kabeljaufilet, gedünstet in einem Bananenblatt, serviert mit Pakchoi und Kokosnussblumenkohl wählen. Für Vegetarier gab es eine Herbstgemüsepfanne mit Butternusskürbis, Rosenkohl, Wurzelgemüse und garniert mit gerösteten Pinienkernen und Oliventapenade. Zum süßen Schluss durfte man sich entweder ein Waldbeeren-Custard-Törtchen mit frischen Brombeeren oder einer pochierte Birne im rohen Kakaomantel entscheiden. So wie sich die Speisekarte las, so schmeckten auch die Gerichte: außergewöhnlich und geschmacksintensiv. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt lange nicht mehr so gut gewürzte Gerichte und so einfallsreich verarbeitete Lebensmittel zu mir genommen!

Das Sauvage bietet dabei eine weitere Besonderheit: Auf seiner Speisekarte werden sämtliche Ernährungsformen und Lebensmittelallergien bedient. Sowohl Vegetarier und Veganer werden hier fündig, als auch Menschen mit einer Laktose- oder Glutenintoleranz. Da weder Milchprodukte noch Getreide in der Paleo Cuisine verarbeitet werden, können Allergiker getrost zwischen all den wundervollen Gerichten wählen!

Fazit: Das Sauvage ist neben seiner außergewöhnlichen Küche, den geschmackvollen Gerichten, dem liebevoll eingerichteten Räumlichkeiten und den freundlichen Kellnerinnen, nicht zuletzt einer dieser Orte, denen eine ganz bestimmte Energie inne wohnt - man fühlt sich hier unmittelbar wohl und geborgen.

Sauvage - Paleo Restaurant, Pflügerstr. 25, Berlin-Neukölln, www.sauvageberlin.com, Öffnungszeiten: Di - So, 18-24 Uhr

Bildquelle: Sauvage - Paleo Restaurant

Montag, 14. Mai 2012

Bio Brunch auf Italienisch: im Pappa e Ciccia

Für Ihr Frühstück sind die Italiener eigentlich nicht sonderlich bekannt. Eine Tasse Espresso, ein paar Kekse, vielleicht noch ein Cornetto (Hörnchen), das dann in den Espresso getunkt wird - das war's! Umso erstaunter war ich, als ich von dem Brunch-Angebot des Pappa e Ciccia in der Schwedter Straße im Prenzlauer Berg hörte. Bekannt war mir das italienische Restaurant bereits, habe ich hier doch schon den ein oder anderen geselligen Abend mit leckerem Antipasti, hausgemachter Pasta und Quitten-Prosecco in lockerer Atmosphäre verbracht. Aber wie würde ein Brunch beim Italiener aussehen? Nun, es gab Espresso und es gab Cornettos. Es gab aber auch noch sehr viel mehr und zwar alles in zertifizierter Bio-Qualität!

Wer ein eher traditionelles deutsches Frühstück bevorzugt, dem wird neben den Hörnchen (wahlweise mit Marmelade, Honig oder einem köstlichen Nougat-Aufstrich zu verzehren) auch Früchtejoghurt, Bircher Müsli sowie weich gekochtes, hart gekochtes, Rühr- oder Spiegelei (die extra frisch zubereitet werden) geboten. Natürlich gibt es auch eine Käse- und eine Wurstplatte und hier wird es nun italienisch: Scamorza, Gorgonzola, Prosciutto, Salami und und und. So geht es auch auf den anderen zahlreichen Platten weiter: gegrillte Zucchini und Auberginen, Fenchel-, Avocado-, Reissalat, gefüllte Paprika, getrocknete Tomaten, Capaccio, gedünstetes Gemüse, Lachs, Caponata (himmlisch!), Lasagne und natürlich Insalata Caprese.

Bei meinen vorherigen Besuchen im Pappa e Ciccia sind mir bereits die zahlreichen vegetarischen und veganen Gerichte aufgefallen. Und so gab es auch beim Brunch die Möglichkeit zwischen dem Standard- und dem veganen Brunch zu wählen. Den Unterschied machen dabei 2 Euro: Während der Standardbrunch mit 16 Euro berechnet wird, kostet der vegane Brunch 14 Euro. Zugegeben, für Berlin ist das nicht gerade günstig. Meiner Meinung nach wird der Preis jedoch durch die Qualität der Lebensmittel voll und ganz gerechtfertigt. Bio-Qualität, ausgewählte Produkte, Regionalität und eigens hergestellte Pastawaren, dafür steht das Pappa e Ciccia und das spiegelt sich im Geschmack wieder.

Wer dennoch lieber den ganz klassischen deutschen Brunch den köstlichen Antipasti-Variationen und italienischen Schmankerln vorzieht, dem empfehle ich, dem Pappa e Ciccia zumindest für den Mittagstisch oder ein geselliges Abendessen einen Besuch abzustatten, um die hausgemachte Pasta oder eines der anderen sorgfältig und liebevoll zubereiteten Gerichte zu kosten und dazu ein Glas Quitten-Prosecco zu genießen. Wer lieber zu Hause kocht, hat die Möglichkeit im Delikatessenladen des Restaurants direkt nebenan die ein oder andere italienische Köstlichkeit mitzunehmen. Es lohnt sich!

Übrigens: "Pappa e Ciccia" bedeutet soviel wie "Pech und Schwefel" oder "unzertrennlich".

Pappa e Ciccia, Schwedter Str. 18, 10435 Berlin, www.pappaeciccia.de, Montag - Sonntag 11-24 Uhr (Sonntagsbrunch) (Reservierung empfohlen!)

Dienstag, 1. Februar 2011

Schlemmen im Bio-Stil

„L’AMAR bedeutet im Italienischen den Zustand des sich geliebt fühlens und „amar“ gibt es zudem in Hindi und Sanskrit als Begriff für ewiges Sein. Vielleicht nicht für ewig, aber zumindest für die Zeit, wo Sie bei uns zu Gast sind, möchten wir Sie spüren lassen, dass wir lieben, was wir tun – nämlich Sie mit feinen Speisen und Getränken zu verwöhnen und Ihnen einen Raum zum genüsslichen Entspannen zu bieten.“

So leitet das L’AMAR im Münchner Glockenbachviertel auf seiner Speisekarte einen gemütlichen Abend ein. Und tatsächlich, bei ausgefallenen Gerichten und gutem Wein lässt es sich leicht entspannen und genießen. Dabei könnte fast außer Acht gelassen werden, dass die Küche ausschließlich Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau verarbeitet. Doch das ist natürlich der Hauptgrund, warum ich das Restaurant mit seiner Theke voller Köstlichkeiten und den Wandregalen voller Wein empfehle.

In den Vordergrund sollte jedoch auch die einfallsreiche Zusammenstellung der Gerichte gestellt werden! Dabei sind mir auf der Speisekart sofort der gratinierte Manouri (Ziege-Schafskäse) an lauwarmen Radicchio Salat, Birnencreme und gerösteten Mandeln sowie der Salat von Belugalinsen und Riesengarnele mit Lonza und Gremolata ins Auge gefallen. Entschieden habe ich mich dann aber doch für den gedünsteten Saibling mit Rote Beete Risotto und Fenchel-Orangen-Gemüse, der wirklich nur zu empfehlen ist!

Zuguterletzt ist mir aufgefallen, dass sich die Speisekarte sehr am Angebot Saison orientiert. (Wem der Vorteil der saisonalen Küche nicht bekannt ist hier ein kurzer Exkurs: Saisonale Produkte sind durch kürzere Lager- und Transportzeiten frischer, gesünder und vitaminreicher als jene, die aus fernen Ländern importiert werden bzw. über die Saison hinweg gelagert werden.) So laden im L’AMAR der winterlicher Salat mit Karotten, Fenchel, Kürbis, Sprossen und gebratenen Champignons, die Gnocchi mit Kürbis, Apfelkraut und Maroni und das Rinderfilet, mit Karottencreme gefüllter Kohlrabi, und gerahmte Schwarzwurzeln dazu ein, winterliche Aromen zu kosten und den Körper mit notwendigen Vitaminen für die kalte Jahreszeit zu versorgen.

Neben dem Abendessen kann man im L’AMAR natürlich auch Frühstück, Mittagessen oder einfach nur einen Kaffee genießen!

L'AMAR Organic Café + Restaurant, Pestalozzistr. 28, 80469 München, Öffnungszeiten: Mo-Sa 09:00-23:00h, So und Feiertags 10:00-23:00h (www.cafelamar.de) (Bildquelle: L'AMAR-Webseite)

Dienstag, 6. Juli 2010

Organic Food, Organic Lifestyle: Daylesford Organic

- Update: Leider gibt es das Daylesford Organic in München nicht mehr. In der Pimlico Road in London ist es jedoch weiterhin zu finden und auch immernoch einen Besuch wert! (daylesfordorganic.com) -

„Mit Daylesford Organic engagieren wir uns für die Erzeugung und Verarbeitung von natürlichen, biologischen Lebensmitteln. Frisch und voller Geschmack, mit Vitaminen und Mineralien, die nur in natürlichen Lebensmitteln enthalten sein können und idealerweise saisonal genossen werden.“ (Bild und Zitat: daylesfordorganic.de)

In der Pimlico Road in London stolperte ich darüber, genoß einen leichten Quinoa-Hühnchensalat und einen frisch gepressten Karotten-Apfel-Ingwer-Saft und dachte mir „Ein Café mit so einer schönen Atmosphäre, dazu ein Shop, in dem man gleich die gegessenen Sachen noch mal kaufen und mitnehmen kann, und das ganze auch noch auf biologischer Basis, so was kann es nur in London geben! Wo finde ich das nur in Deutschland???“

Doch wirklich lange musste ich nicht warten. Ende 2009 las ich einen kleinen Artikel in der Elle… Und worüber handelte er? Über die neu eröffnete Daylesford Organic-Dependance in München! In der Ledererstraße 3, in einem historischen Gebäude und ein paar Stufen in den Keller, ist das Daylesford Organic Café & Store fast zu übersehen, wenn im Sommer nicht gerade die schöne Bestuhlung im Freien zum verweilen einlädt.

Nun sitze ich samstags gerne sowohl drinnen als auch draußen, genieße eine der köstlichen Salatvariationen, nach denen ich mich irgendwie immer energiereicher fühle (muss an den natürlichen Lebensmitteln liegen!), oder auch einen geschmackvollen Apple Crumble und denke mir „Endlich gibt es ein Café mit so einer schönen Atmosphäre, dazu ein Shop, in dem man gleich die gegessenen Sachen noch mal kaufen und mitnehmen kann, und das ganze auch noch auf biologischer Basis auch in Deutschland!“

Daylesford Organic Café & Store, Ledererstr. 3, 80331 München, Öffnungszeiten: Mo-Fr 8:30-20:00h, Sa 9:30-19:00h (www.daylesfordorganic.de)